Mediation als Methode zur Konfliktlösung wird immer beliebter. Wir haben Patric Illigen, Geschäftsführer des Bergischen Mediationszentrums und Referent bei anwaltsseminare24.de gebeten diese einmal genauer zu erklären:
Frage: Wann sollte über eine Mediation nachgedacht werden?
Patric Illigen: Eine Mediation setzt immer einen Konflikt voraus. Je früher im Konfliktverlauf, desto einfacher ist eine Lösung desselben. Je niedriger die Eskalationsstufe, desto einfacher ist die Konfliktlösung.
F: Hat es aus Ihrer Sicht Sinn, eine Beratung durch das Gericht im familiengerichtlichen Verfahren anzuordnen? Wie sind dabei die Chancen auf eine außergerichtliche Lösung?
PI: Beratung an sich ist wichtig, damit Verfahren eine Chance haben, anderweitig als im Gerichtssaal gelöst zu werden. Natürlich muss man auch immer mit dem Widerwillen der Parteien rechnen. In nordeuropäischen Ländern gibt es keine Scheidung ohne Mediation. Das innerhalb der Bundesrepublik durchzusetzen ist schwierig, da ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft erfolgen müsste. Hierzulande steht eher der Gewinn eines Verfahrens im Vordergrund als der Konsens. Möglicherweise bietet das neue Mediationsgesetz hier eine Möglichkeit. Im Zusammenhang mit der Einleitung eines Verfahrens wurde diskutiert, dass im Vorfeld über die Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitbeilegung beraten worden sein soll. Ende Oktober werden wir mehr wissen, da das neue Mediationsgesetz kurz vor dem Beschluss stehen soll.
F: Bietet Mediation immer eine Lösung eines Konfliktes?
PI: In 80% der Fälle ist das so. Erhebungen des Landes Niedersachsen anhand von 5000 Fällen kamen zu einem solchen Ergebnis. Das ist repräsentativ für den gesamtdeutschen Raum.
F: Wann würden Sie eine Mediation als gescheitert betrachten?
PI: Wenn eine Partei keinen Konsens möchte und innerhalb der Mediation nur mauert, dann kann es keine tragfähige Lösung geben. Mediation bedeutet ja nicht, dass fertige Lösungen präsentiert werden, sondern dass die Medianten die Lösungen selber finden. Wenn jemand da nicht mitzieht, hat eine Mediation keinen Sinn. Eine weitere Möglichkeit des Scheiterns kann sein, wenn Informationen, die innerhalb der Mediation fließen, hintenherum anderweitig für das Verfahren genutzt werden. Eine Mediation ist nach innen sehr offen. Es werden viele Details bekannt, die in einem gerichtlichen Verfahren so nicht angesprochen werden.
F: Wir haben unterschiedliche Erfahrungen mit Mediatoren gemacht. Gibt es Qualitätsstandards, was einen guten Mediator oder eine gute Mediation ausmacht?
PI: Es gibt noch keine Qualitätsstandards. Es ist auch schwer, einen guten oder schlechten Mediator zu definieren. Das Verhältnis zwischen Mediator und Mediant spielt für den Erfolg eine große Rolle. Es ist wichtig zu schauen, dass der Mediator empathisch ist. Anlässlich einer kürzlich stattgefundenen Tagung in Berlin wurde auch darüber diskutiert, welche Skills ein Mediator mitbringen sollte. Eine Ausbildung zum Mediator sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Jedoch gibt es unterschiedliche Ausbildungen mit unterschiedlichen Schwer punkten und Inhalten als auch mit unterschiedlich zeitlichem Aufwand. Es gibt hier keine Kammer, die darauf schaut, wie beispielsweise bei der Ausbildung von Anwälten. Überspitzt gesagt kann sich auch jeder Mediator nennen – die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Es gibt keine Definition, was ein Mediator überhaupt ist. Das Berufsbild als solches ist nicht weiter festgelegt.
F: Sie bieten selber Ausbildungen zum Mediator an? Worauf sollte man als angehender Mediator bei einer Ausbildung achten?
PI: Wichtig sind vor allen Dingen die handwerklichen Grundlagen. Moderation und Kommunikation sind hierbei wichtige Themen. Wir bieten, als Einzige in Zukunft, auch die praxisorientierte Fallbegleitung in Form von Hospitationen sowie einer Fallbörse an. Angedacht ist ein Pool an Fällen, den angehenden Mediatoren begleiten. Dies stellt auch eine Option für die Menschen dar, die sich nicht die Mediation leisten könnten, wenn sie beispielsweise nicht von einem karitativen Träger begleitet werden möchten.
F: Kann man als Mediator immer allparteilich sein? Immerhin hat man selber Werte und Normen. Ein eigenes Erleben und Erfahrungswerte.
PI: Allparteilichkeit heißt für mich, für alle Parteien da sein. Das hat meiner Definition nach nichts mit Neutralität zu tun. Das ist es definitiv nämlich nicht. Allparteilich muss ich sein, um Machtgefälle auszugleichen. Ich muss erkennen, wenn ein Mediant den anderen benachteiligten will und dieser das nicht bemerkt. Dann gilt es, auch den Verlauf einmal mehr zu be- oder entschleunigen, nochmals die Phasen der Mediation zu hinterfragen und zu wechseln. Wenn man merkt, dass man persönlich betroffen sein könnte, dann sollte man sich einen Co-Mediator suchen. Ein Mediator muss nicht konkrete Fachkenntnisse bezogen auf den Konfliktinhalt haben, in dem Fall im Familienrecht und in psychologischen und/oder pädagogischen Bereichen. Das kann eher hemmen, da man möglicherweise einen eigenen Anteil an dem Konflikt erkennt und den zu begleitenden Konflikt zu seiner eigenen Geschichte macht.
F: Abschließend eine Bitte. Wie würden Sie mit einem Satz Mediation bezeichnen?
PI: Mediation ist der Versuch, gemeinsam mit Hilfe eines Mediators einen Konflikt durch ein strukturiertes Verfahren zu einer Kooperation zu transformieren.